Recycled Fashion – Nachhaltigkeit als Programm der Mode

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In den letzten Jahren hat sich bei den Designern ein klarer Trend abgezeichnet: Die Kleidung wird nicht nur immer kreativer, sondern kümmert sich auch um die Belange der Umwelt. Egal ob Materialien oder die Verarbeitung in Betrieben mit besonders hohen Umweltschutzrichtlinien, Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde.

Recycled Fashion: ein neuer Trend?

Der Feldzug der umweltbewussten Mode begann schon in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Durch die Stärkung des ökologischen Bewusstseins in der Mehrheitsgesellschaft (vor allem aber auch durch den Einfluss der Grünen Partei in Deutschland) wurde ökologische Rücksicht zum Trend. Dieser schlug sich nicht nur in der Ernährung nieder oder bei Richtlinien für den Ausstoß von Schadstoffen. Er schwappte auch direkt in die Ateliers der Designer und hinterließ dort einen starken Eindruck.

Recycled Fashion nachhaltige Mode

Jedes Jahr produziert jeder Deutsche durchschnittlich 15kg an „Modemüll“. Damit ist keine schlecht designete Ware gemeint, sondern der Abfall, den wir jedes Jahr an Hosen, Schuhe, Hemden, Socken und Unterwäsche produzieren. Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, wurden nicht nur die Kleiderspenden ins Leben gerufen, sondern auch eine völlig neue Art Kleider zu produzieren erfunden. Die Recycled Fashion und ihre Jünger arbeiten mit gebrauchten Stoffen aus alten Kleidern. Sie nutzen diese, um neue Klamotten herzustellen.

Was anfangs eher in die DIY Kategorie einzuordnen war und sich als Hobby junger Menschen ausnahm, wurde über die Zeit zu einem echten Trend, der auch etablierte Designer inspirierte. Mittlerweile gibt es sogar professionelle Labels, die ausschließlich mit schon einmal benutzten Stoffen arbeiten und in der Lage sind tolle Kleidung zu entwerfen. Dabei sind die Grenzen der Fantasie noch lange nicht erreicht, auch wenn die DIY-Designer, die meist jung und besonders verspielt sind, schon satt vorgelegt haben.

So funktioniert Recycled Fashion

Egal ob das Kleid aus dem dicken Vorhang von Großmutter, das Hemd aus einer alten Baumwolltasche oder die Bluse aus Papas ausgetragener Hose – die Ideen für Recycled Fashion sind so vielfältig wie die Farben in der Natur. Doch an wen richtet sich die ausgefallene Mode, die sich immer größer werdender Beliebtheit erfreut?

Die Kundinnen sind in der Mehrzahl nicht die Frauen, die wir bei den Haute Couture Wochen in Paris sehen können, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass sich dies in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durchaus ändern kann. Vor allem junge Frauen und Männer, die unangepasst sind und nicht einverstanden mit der Mentalität einer Wegwerfgesellschaft, tragen Recycled Fashion. Denn Recycled Fashion ist eben nicht die Mode von der Stange wie wir sie aus den ewig langweiligen Großketten und Warenhäuser kennen, sondern sie ist individuell und kann eine besondere Geschichte repräsentieren. Die meisten Schneideateliers, die Recycled Fashion machen und zum Verkauf anbieten, haben noch zusätzliche Services. So kann man Beispielsweise die Bluse der Großmutter, die man sehr liebt oder geliebt hat, mitbringen und sich daraus ein neues Kleidungsstück schneidern lassen. Das Endprodukt ist nun aber nicht einfach nur irgendein Kleidungsstück, sondern es hat die Geschichte der Familie aufgenommen.

Meiner Meinung nach gibt es einfach nichts schöneres, als die Gelegenheit, die Geschichte eines Kleidungsstücks zu erzählen – und Recycled Fashion lädt geradezu ein, Kleider unsterblich zu machen. Wem die Idee von Recycled Fashion befremdlich anmutet, dem kann versichert sein, dass sie keinesfalls ein Ausdruck von Armut oder unsicheren Verhältnissen ist. Es gibt durchaus Designer, die sogar ausschließlich gebrauchte Designer Labels wie Chanel oder Armani ankaufen, auseinander nehmen und zu neuen Kleidungsstücken zusammennähen. Einfach großartig, wie sich der DIY-Style in die Welt der etablierten Mode vorgearbeitet hat und nun die Herzen der jungen Damen erobert. Und nicht nur das ist wichtig. Auch die Natur profitiert davon!

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