Sarah Burton für Alexander McQueen im Herbst/Winter 2013

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Die diesjährige Pariser Modewoche war mal wieder das Mekka für alle Modejünger Europas und den Rest der Welt. Die angereiste Presse war genauso zahlreich vertreten wie die berühmten Liebhaber der internationalen Mode. Neben Chanel, Miu Miu, Valentino und Co. war natürlich auch das Label Alexander McQueen mit von der Partie. Da Alexander McQueen im Jahre 2010 auf tragische Weise ums Leben kam, übernahm nach seinem Tod die umtriebige und super talentierte Designerin Sarah Burton das Zepter der Marke. Als Nachfolgerin von McQueen hat sich Sarah Burton bereits einen großen Namen gemacht. In der britischen Presse wird sie für ihre kreativen Ideen und ihre Bodenständigkeit gefeiert. In den letzten Jahren konnte sie außerdem fast jeden Modepreis abräumen, den das Business zu bieten hat.

Mit ihrer Kollektion für Herbst/Winter 2013/2014 zeigte sie, wieso sie all die Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient hat. Ganz im Sinne Alexander McQueens designte sie extravagante Mode, die dem Namen der Marke alle Ehre macht. Ihre Kollektion war vielleicht die kreativste und kritischste der Pariser Fashion Week 2013. Thema waren historische Kostüme, Religion, Kirche und Autorität. An dieser Kollektion war wirklich fast alles Haute Couture. Besonders herausragend waren die Spitzenkleider, die aufwendig bearbeitet wurden und einen weiten Reifrock besitzen. Bei Alexander McQueen wurde speziell darauf geachtet, dass viel Pomp und Opulenz in der Kollektion auftaucht. Das zeigte sich nicht nur in der Weite der Röcke, sondern wurde auch durch die edlen Materialien zum Ausdruck gebracht. Manche der kostümartigen Kleider waren komplett mir Perlen besetzt. Es ist anzunehmen, dass sich dies nicht nur im Preis der Kleider widerspiegeln wird, sondern den Näherinnen des Hauses eine wahnsinnige Arbeitet bereitet haben wird.

Wer kein Fan von Perlen ist, der wird sich vielleicht von den See-Through-Stücken der Kollektion angesprochen fühlen. Die transparenten Stücke sind super edel verarbeitet und erzeugen einen interessanten Gegensatz. Einerseits wirken die Kleider als seien sie direkt aus dem Absolutismus entsprungen, der für seine engen gesellschaftlichen Schranken und die Prüderie bekannt war, anderseits ist die Transparenz der Stücke einfach super feminin und sexy. Bei diesen Kleidern trifft sich der Look der Tänzerin, mit dem des Adels und der Aristokratie. Wer die Kollektion im Ganzen gesehen hat, der wird sich wohl am ehesten an den „Gesichtsschutz“ der Models erinnern. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das Perlennetz, dass die Models um den Kopf trugen, wirklich ein Schutz sein sollte oder doch eher ein Käfig. Zwar wirkt dieses sehr getragen und royal, aber es verbirgt das Gesicht und symbolisiert eine gewisse Unfreiheit. Es ist mir nicht ganz klar, was Sarah Burton damit zum Ausdruck bringen wollte, aber ich denke, dass der Konflikt zwischen Reichtum und Standesgesellschaft und der Freiheit herausgearbeitet werden sollte.

Was Sarah Burton höchstwahrscheinlich nicht wusste, war, dass sich in England ein neuerlicher Missbrauchsskandal im Zusammenhang mit britischen Priestern anbahnen sollte. Ihre Kollektion, die sich kritisch mit den Figuren des Klerus auseinandersetzte, wurde dadurch noch viel aktueller. Sarah Burton, die diese Kollektion hochschwanger kreiert hat, hat zwar nur 10 Stücke auf den Laufsteg gebracht, aber diese haben es in sich. Sie verkörpern den Geist von Alexander McQueen und bieten Stoff zum diskutieren und zum philosophieren. Sehr spannend bleibt, dass sich Sarah Burton mit ihrer Kollektion kaum an der Mode der neuen Saison orientiert. Alle Trends, die wir bei den Designern der diesjährigen Pariser Fashion Week gesehen haben – seien es Reptilienleder, knallige Farben oder oversized Fashion, schienen Sarah Burton nicht zu interessieren. Wundervoll, dass sie uns als eine der wenigen Designerinnen etwas völlig anderes gezeigt hat und somit darauf hinweist, dass es am Ende des Tages nicht nur darauf ankommt, Mode zu machen, die sich verkaufen lässt, sondern auf die Freiheit des Geistes und die kreative Arbeit.

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